Landräte wehren sich gegen Kürzungen an Integrierten Gesamtschulen
16. Februar 2026 - Die Pläne des Hessischen Kultusministerium, die Stunden für Lehrkräfte an den Integrierten Gesamtschulen (IGS) zu kürzen, stoßen auf breiten Widerstand. Jetzt haben die sozialdemokratischen Landräte Thorsten Stolz (Main-Kinzig), Thomas Will (Groß-Gerau), Winfried Becker (Schwalm-Eder), Frank Matiaske (Odenwald), Klaus-Peter Schellhaas (Darmstadt-Dieburg), Andreas Siebert (Kassel), Torsten Warnecke (Hersfeld-Rotenburg), Jens Womelsdorf (Marburg-Biedenkopf) sowie Landrätin Anita Schneider (Gießen) und Erster Kreisbeigeordneter Frank Inderthal (Lahn-Dill) in einem offen Brief an Staatsminister Armin Schwarz die Ankündigung sowie die unzureichende Kommunikation kritisiert.
Die Nachricht über die geplante Kürzung oder „Korrektur“, wie sie durch das Kultusministerium bezeichnet wird, hat die Landkreise „unerwartet und ohne vorherige Information über die Medienberichterstattung erreicht“. Zudem vertreten die Unterzeichnenden die Meinung, dass die vorgesehene Kürzung auch deshalb der falsche Weg sei, „weil Integrierte Gesamtschulen einen unverzichtbaren Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit, individueller Förderung und gesellschaftlichem Zusammenhalt leisten“.
Sie verweisen drauf, dass die Planung des Kultusministeriums, ab dem nächsten Schuljahr 2026/2027 den Integrierten Gesamtschulen in Hessen den Zuschlag für die Binnendifferenzierung erheblich zu kürzen, auf erheblichen Widerstand gestoßen ist. Zuvor hatten sich schon die Landesschülervertretung, der Elternbund Hessen, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Arbeitskreis der Gesamtschul-Direktoren ihre Kritik geäußert.
Die sozialdemokratischen Landräte weisen darauf hin, dass der Stundenzuschlag für die Binnendifferenzierung gerade für die Integrierten Gesamtschulen eine wichtige Unterstützung darstellt. Entfällt dieser, so würden nach ersten Berechnungen der betroffenen Schulen im Durchschnitt bis zu 2,1 Lehrerwochenstunden pro Klasse fehlen, die für eine gelingende Binnendifferenzierung unabdingbar sind. Einige Schulen rechnen sogar mit einem weit höheren Wegfall von Lehrerwochenstunden.
Sie widersprechen daher der Darstellung des Kultusministeriums, dass es sich hier nur um eine „Korrektur“ handele, da die Schulen bisher Zuschläge bekommen hätten, die für längeres gemeinsames Lernen vorgesehen seien. Nach Einschätzung des Arbeitskreises der Direktorinnen und Direktoren sind die Anforderungen an den Schulen in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen: Immer mehr Schülerinnen und Schüler kämen mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Unterstützungsbedarfen und sozialen Belastungen in die Klassen. Diese Entwicklung zeige sich auch in deutlich steigenden Fallzahlen in der Jugendhilfe. „Die Binnendifferenzierung ist deshalb aus unserer Sicht kein pädagogischer Luxus, sondern das Fundament der Integrierten Gesamtschule. Sie ermöglicht gezielte Förderung, stabilisiert Bildungsbiografien und beugt Schulabbrüchen vor“, heißt es in dem offenen Brief.
Vor diesem Hintergrund bitten die Unterzeichnenden, die geplanten Veränderungen nicht umzusetzen und mit den betroffenen Schulen – aber auch mit den Schulträgern – in dieser Frage in einen Austausch zu gehen. Die Landkreise investieren als Schulträger jährlich viele Millionen Euro in den zeitgemäßen Aus- und Neubau von Schulen. Die nun geplanten Veränderungen wirkten sich auf die Schullandschaft erheblich aus, appellieren sie an die Gesprächsbereitschaft von Staatsminister Armin Schwarz, „um im Dialog Standpunkte und Motivationen besser zu erörtern“.
Ergänzend fügt Landrat Thorsten Stolz hinzu, dass es der falsche Weg sei, an Bildung zu sparen. „Integrierte Gesamtschulen leisten einen unverzichtbaren Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit, individueller Förderung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Wer hier kürzt, verschärft bestehende Probleme, statt ihnen vorausschauend zu begegnen“, erklärt der Landrat mit Blick auf die sechs Integrierten Gesamtschulen im Main-Kinzig-Kreis an den Standorten Maintal, Bruchköbel, Nidderau, Erlensee, Langenselbold und Bad Soden-Salmünster.
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