Hitzeaktionsplan stärkt vorbeugende, akute und bauliche Maßnahmen

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Die Mitwirkenden am Hitzeaktionsplan (von links): Jörg Mair (Ausschuss für Soziales, Familie, Senioren und Demographie), Viktoria Sopper (Amt für Soziale Förderung und Teilhabe), Svenja Schön (Geschäftsstelle der Kommunalen Gesundheitskonferenz), Karl Schrass (Amt für Umwelt, Naturschutz und ländlicher Raum), Silke Siekemeyer (Leiterin Staatliches Schulamt Hanau), Eleni Chaita und Birgit Dutiné (beide Jugendamt) sowie Robin Arlt (Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr).

07. Oktober 2026 -

Die vergangenen Sommermonate haben bezüglich der Temperaturen wieder völlig neue Dimensionen erreicht und mit Wasserknappheit, Waldbränden und überdurchschnittlich vielen Todesfällen (siehe Infobox) für krisenähnliche Zustände gesorgt. „Diese Situationen sind neu und stellen uns vor besondere Herausforderungen. Aber vor allem müssen wir deutlich besser auf die gesundheitlichen Risiken anhaltender Hitze hinweisen und geeignete Maßnahmen anbieten“, sagt Landrat und Gesundheitsdezernent Thorsten Stolz und verweist auf die kontinuierliche Weiterentwicklung des Hitzeaktionsplans (HAP) für den Main-Kinzig-Kreis.

Im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz hat sich der zugehörige Lenkungskreis jüngst mit der Aktualisierung des Maßnahmenkatalogs sowie den bisherigen Erfahrungen bei der Umsetzung der vorgesehenen Konzepte befasst. Ziel ist es, den medizinischen Hitzeschutz der Bevölkerung fortlaufend an aktuelle Erkenntnisse und Herausforderungen anzupassen. „Hitzeperioden nehmen in Häufigkeit und Intensität zu. Daher legen wir einen besonderen Fokus darauf, gesundheitliche Risiken für die Menschen im Main-Kinzig-Kreis zu reduzieren und vorbeugend aktiv zu werden,“ erklärt Stolz. „Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Maßnahmen an heißen Tagen, sondern um eine nachhaltige Vorsorge und um eine umfassende Sensibilisierung in allen relevanten Bereichen unserer Gesellschaft.“

Vielfach sei den Menschen nicht bewusst, welche Belastung eine anhaltende Hitze für den Organismus bedeutet. „Die hohen Temperaturen sorgen für ein komplexes Gesundheitsrisiko, das viele Lebensbereiche betrifft. Der menschliche Körper ist nur sehr begrenzt in der Lage, die dadurch verursachten Belastungen auszugleichen. Vor diesem Hintergrund stellt der Lenkungskreis sicher, dass medizinische, soziale und organisatorische Hilfeleistungen zusammen gedacht und praxisnah umgesetzt werden“, erläutert Dr. Wolfgang Lenz, Leiter des Amts für Gesundheit und Gefahrenabwehr. „Nur durch diese enge Vernetzung können wir besonders gefährdete Gruppen wirksam erreichen.“

Der Hitzeaktionsplan umfasst insgesamt 14 Maßnahmen, die sich an den Alltag der Menschen im Main-Kinzig-Kreis anlehnen. Sie setzen darauf, auf der Grundlage der Wetterdaten frühzeitig über extreme Temperaturen zu informieren, für Risiken zu sensibilisieren und konkrete Hilfestellungen zu geben – bevor gesundheitliche Probleme entstehen. Gleichzeitig werden Fachkräfte, Einrichtungen und Ehrenamtliche darin unterstützt, die Auswirkungen der Hitze besser einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren. „Ziel ist es, den Hitzeschutz dauerhaft im täglichen Leben, in Einrichtungen und in der kommunalen Arbeit zu verankern“, fasst Dr Wolfgang Lenz das weitrechende Konzept zusammen.

Der Hitzeaktionsplan wurde im Rahmen einer Kooperation mit der Hochschule Fulda und dem Kompetenzteam Strategische Planung, Wissenschaft und Digitalisierung im Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr erstellt. Er basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und berücksichtigt die spezifischen klimatischen, demografischen und sozialen Bedingungen im Main-Kinzig-Kreis. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen wie älteren Menschen, chronisch Kranken, Pflegebedürftigen, Schwangeren, Kindern sowie sozial benachteiligten Personen.

Besondere Bedeutung haben dabei auch nachhaltige technische und bauliche Anpassungen. Denn während organisatorische und verhaltensbezogene Maßnahmen kurzfristig zum Schutz der Bevölkerung beitragen, schaffen insbesondere bauliche Veränderungen einen dauerhaften und wirksamen Hitzeschutz. Dazu zählen beispielsweise die Schaffung zusätzlichen Verschattungsmöglichkeiten, die Begrünung von Gebäuden und Freiflächen sowie eine hitzeangepasste Gestaltung öffentlicher Einrichtungen und Aufenthaltsbereiche. Solche Maßnahmen tragen langfristig dazu bei, die Belastung durch Hitze zu reduzieren und die Lebensqualität insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen zu verbessern.

„Der Lenkungskreis appelliert an die Selbstverantwortung aller Akteure und ermutigt sie, Lösungen zu entwickeln, im eigenen Verantwortungsbereich umzusetzen und über Erfahrungen zu berichten. So wird sichergestellt, dass Hitzeschutz möglichst schnell dort ankommt, wo er besonders gebraucht wird – im direkten Lebensumfeld der Menschen“, erläutert Robin Arlt, Leiter des Lenkungskreises und ständiger Vertreter der Amtsleitung des Amts für Gesundheit und Gefahrenabwehr. „Der Hitzeaktionsplan lebt von der Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen und Institutionen. Der Main-Kinzig-Kreis lädt deshalb weitere Fachleute ein, sich aktiv in den Lenkungskreis der Kommunalen Gesundheitskonferenz einzubringen und ihre fachliche Expertise in die Weiterentwicklung und Umsetzung der Maßnahmen einzubringen. Interessierte aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung, Pflege, Katastrophenschutz und weiteren relevanten Fachgebieten sind herzlich willkommen“, so Arlt.

Der Main-Kinzig-Kreis ruft alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, Hitzewarnungen ernst zu nehmen, das eigene Verhalten bei hohen Temperaturen anzupassen und insbesondere auf ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen im eigenen Umfeld zu achten. Schon einfache Maßnahmen wie ausreichendes Trinken, kühle Aufenthaltsorte oder gegenseitige Unterstützung können helfen, gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Einen besonderen Service bietet bereits das Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr in den Sommermonaten mit dem Hitzetelefon an. Das Hitzetelefon unterstützt und ergänzt das hessische Hitzewarnsystem, indem es insbesondere Personen mit einer erhöhten Gesundheitsgefährdung bei starker Wärmebelastung zeitnah über drohende Hitzeextreme telefonisch informiert.

Die Langversion des Hitzeaktionsplans sowie eine Kurzfassung stehen auf den Internetseiten des Main-Kinzig-Kreises zur Verfügung:

• Langversion: https://mkk.de/media/resources/pdf/mkk_de_1/buergerservice_1/lebenslagen_1/gesundheit_1/57_3_gesundheit/kgk/Langversion_HAP.pdf

• Kurzversion: https://mkk.de/media/resources/pdf/mkk_de_1/buergerservice_1/lebenslagen_1/gesundheit_1/57_3_gesundheit/kgk/One_Pager_HAP.pdf

Für Rückfragen steht die Geschäftsstelle der Kommunalen Gesundheitskonferenz im Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr zur Verfügung. E-Mail: gesundheitskoordination@mkk.de

Extreme Hitzeperiode sorgt für deutliche Zunahme der Todesfälle

23. August 2026. - Die Zahl der Hitzetoten in diesem Sommer liegt in Deutschland mittlerweile bei 16.300, wie aus dem veröffentlichten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Ausgewertet wurden Daten bis zum 23. August. 2026 ist laut RKI ein Rekordjahr, was hitzebedingte Sterbefälle angeht. Die bislang höchste Zahl an Hitzetoten wurde 2018 mit geschätzt 8.900 Fällen registriert.

Allein 9.600 der 16.300 Menschen starben laut RKI in diesem Jahr in der besonders heißen 26. Kalenderwoche, also zwischen dem 22. und dem 28. Juni. Damals hatte es Rekordtemperaturen von mancherorts mehr als 41 Grad Celsius gegeben.

Das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle wird mit Hilfe von statistischen Methoden durch den Vergleich der Zahl von Sterbefällen in Sommerwochen mit und ohne Hitze modelliert. Das ist notwendig, weil Hitze allein selten unmittelbar zum Tod führt und daher auf Totenscheinen nicht als Todesursache angegeben werden kann. Entsprechend taucht sie auch nicht in der Todesursachenstatistik auf.

Die Übersterblichkeit im Sommer 2026 wird dem RKI zufolge derzeit auf 19.500 geschätzt. Übersterblichkeit bedeutet, dass in einem bestimmten Zeitraum mehr Menschen sterben, als das normalerweise zu erwarten wäre.